Die Gattung Apistogramma bietet mit ihren vielen klein bleibenden Arten ein interessantes Betätigungsfeld. Mit Apistogramma kullanderi wurde in den letzten Jahren eine Art entdeckt und mittlerweile in der Aquaristik eingeführt, die mit ihrer Größe dem Begriff Zwergbuntbarsch fast nicht mehr gerecht wird. Ungeachtet dessen hat sich die Art bei mir als interessanter, ruhiger und schöner Pflegling erwiesen.
Apistogramma kullanderi
Kullanders Zwergbuntbarsch
VARELLA & SABAJ PEREZ 2014
Artikel von Swen Oppel
Das erste Mal las ich von dieser Art in einem Artikel der Amazonas (Heft 59, S. 6). Schon damals war ich von der ungewöhnlichen Färbung und der Form der Tiere fasziniert. Es hat danach einige Jahre gedauert, bis die ersten Tiere im Handel auftauchten. Natürlich zu Preisen die für mich nicht zu bezahlen waren. So vergingen wieder mehrere Jahre, bis ich durch Zufall im Tausch gegen Ivanacara adoketa vier Jungtiere von A. kullanderi angeboten bekam. Ich entschloss mich, das Wagnis einzugehen und nahm die vier Tiere.
Diese zogen bei einer Größe von drei Zentimetern in ein stark verkrautetes Becken in die Gesellschaft mit Guppy, Zwergschwertträger, Panzerwelsen und roten Hexenwelsen. Entgegen meinen Erwartungen verhielten sich die Tiere kaum scheu und gingen gut an das angebotene Futter. Dieses bestand sowohl aus Lebend-, Frost- und gelegentlich auch Trockenfutter. So wuchsen sie im Verlauf eines weiteren halben Jahres langsam auf viereinhalb bis fünf Zentimeter heran.
Da ich bis dahin keine großen Größenunterschiede, noch Verhaltensabweichungen beobachten konnte, nahm ich an, leider nur ein Geschlecht zu besitzen. Erst im nun folgenden halben Jahr begann eines der Tiere sich marginal farblich zu unterscheiden und die anderen an Größe zu übertreffen. Dazu verhielt es sich im Vergleich zu den anderen Tieren um einiges vorsichtiger.
Entgültige Gewissheit erhielt ich aber erst, als eines der kleineren Tiere eines Tages das typische schwarzgelbe Hochzeitskleid zeigte. Das Weibchen zeigt dann einen schwarzen Bauch und schwarze Bauchflossen und Rückenflosse die Seiten sind von einem schwarzen Streifen/Punktmuster geprägt. Auch die Gesichtsmaske ist durch schwarze Streifen geprägt. Dazwischen erscheint der Körper im kräftigen Gelb. Die Schwanzflosse erscheint meist farblos.
Das Männchen zeigt in der Paarungsbereitschaft rauchschwarze unpassend Flossen. Auch die Bauchflossen sind schwarz. Die Körperseite wurde durch ein ähnliches Muster wie bei dem Weibchen geprägt. Nur erschienen die Punkte weniger als Bänder, sondern vielmehr als Längsstreifen.
Aufgrund der Größe der Tiere, Männchen ca. 6 cm, Weibchen ca. 4,5 cm im Verhältnis zur zu erwartenden Gesamtlänge von 10 cm rechnete ich noch nicht mit Nachwuchs. Umso überraschter war ich, als ich dann doch ein kleines Gelege in einer Bambusröhre entdeckte. Die Höhle war für mich gut einsehbar, so dass ich die Entwicklung der dunkelroten Eier mitverfolgen konnte.
Aufgrund der herrschenden Wasserparameter und dem Vergleich mit den Wasserwerten in den natürlichen Biotopen wagte ich nicht, mit einem Erfolg zu rechnen. Hatten die Tiere doch in Bonner Leitungswasser abgelaicht.
Dennoch kam es zum Schlupf und nach ca. drei Tagen hing eine kleine Traube Jungfische an der Höhlendecke, was ich nur durch die flimmernden Bewegungen der kleinen Schwänze erkennen konnte. Einen Tag später hatte die Mutter die Jungen auf dem Höhlenboden zusammen getragen. Zwei weitere Tage später waren die Jungfische aus der Höhle verschwunden. Nun ist es ja durchaus möglich, das die ersten Bruten aufgrund der Unerfahrenheit gefressen werden. Vielleicht hatte das Weibchen aber auch genug von meiner Neugier. Es vergingen einige Tage bangen Wartens.
Dann konnte ich das Weibchen in der schönsten Brutpflegefärbung beobachten. Andere Fische wurden aus einem kleinen Bereich vehement vertrieben. Das Männchen zeigte auch gelegentliche Präsenz. Ich konnte aber nicht beobachten, dass es sich an der direkten Betreuung der Jungen beteiligte, noch konnte ich anfangs überhaupt Junge entdecken. Erst durch geduldiges Beobachten wurde ich auf die sehr gut getarnten Jungfische aufmerksam. Das Weibchen führte sie mit Flossenbewegungen und beim kleinsten Anzeichen einer Gefahr ließen sie sich zu Boden sinken.
Im Laufe der Zeit zählte ich 12 Jungfische, die vom Weibchen erfolgreich gegen die vielen im Becken befindlichen hungrigen Mäuler verteidigen konnte. Die Freude hielt knapp einen Monat. Dann beging ich meinen zweiten Fehler. Von der langen Pflegezeit meiner Ivanacara verwöhnt, erwischte es mich schon auf dem falschen Fuß, als meine A. kullanderi nach einem Monat die Brutpflege einstellten und sich die Jungen im Becken verteilten. Im Laufe der nächsten Wasserwechsel gelang es mir dennoch sieben Jungtiere zu „retten“ und in ein vorbereitetes Aufzuchtbecken zu überführen.
Während diese Jungen nach nun einem halben Jahr ungefähr die Größe haben, in der ich meine damaligen Jungtiere erhielt, haben ihre Eltern nun schon mehrfach für weitere Gelege und Nachwuchs gesorgt. Zusammenfassend zeigte sich Apistogramma kullanderi bei mir als ein sehr schöner und wider der ursprünglichen Erwartung pflegeleichter Zwergbuntbarsch. Seine aparte Färbung, die für die Gattung etwas ausgefallene Form, die mich ein wenig an die großen Kammbuntbarsche erinnert sowie die tolle Brutpflegefärbung der Weibchen werden der Art hoffentlich eine ausreichend große Anhängerschaft sichern.
Literatur:
Varella, H.R., & M.H. Sabaj Pérez. 2014. A titan among dwarfs: Apistogramma kullanderi, new species (Teleostei: Cichlidae). Ichthyol. Explor. Freshwaters, Vol. 25, No. 3, pp. 243-258.
Evers, H.G., Apistogramma kullanderi, Amazonas Nr. 59, Mai/Juni 2015, S. 6.
© Text und Bilder von Swen Oppel, Mitglied der Aquarien- und Terrarienfreunde Seerose Frechen e.V.